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Die Kunst, Geld zu verdienen

18.02.2012 17:33 Uhr
Von Jana Gioia Baurmann, Nicola Kuhn
Copyright © Der Tagesspiegel

 


Nirgendwo sonst leben so viele Künstler wie in der Hauptstadt der Bundesrepublik. Die zahlreichen neuen Galerien schießen wie Pilze aus dem Boden. Doch das Geschäft ist hart und die Konkurrenz wächst täglich.  
    sports airplane, wood
170 x 250 x 120 cm / 67 x 98 1/2 x 47 1/4 in
     MICHAEL SAILSTORFER

Umformungen, Kontextverschiebungen, räumliche Inbesitznahmen – sehr rasch erkennt man in Sailstorfers Arbeiten sein Interesse an den Dingen des Alltags, den Materialien der unmittelbaren Umgebung, seine hemdsärmelige Faszination für die spezifische Identität und Geschichte dieser Objekte und die Schicksale, die diese evozieren können, kurzum die inhärenten Assoziationen, die sie auslösen und die sich Sailstorfer nun zu Nutze machen kann.

 Dabei nimmt er sich diese Objekte regelrecht vor, sie werden zerlegt, auseinander genommen, deformiert, adaptiert, neu zusammengesetzt, deplatziert, umgedeutet und umgewidmet. Eine solche Deformation von Sinn und Zweck des Objekts unter Ausnutzung und Beibehaltung seiner formalen Qualitäten hat nicht eine Zerstörung zur Folge, vielmehr ist das Ziel eine Neuanordnung und Bedeutungsumschichtung.

 
Galerist Johann König mit einem seiner Künstler - Michael Sailstorfer. - Foto: Mike Wolff

   Dabei ist sowohl der Raum, den sie einnehmen, als auch der Raum, der sie umgibt von essentieller Bedeutung. Selbst kleinere Objekte von Sailstorfer sind in diesem Sinne Installationen, inhaltlich integral mit der Identität des Ortes der Aufstellung verbunden. Das ist die erste, formal rezipierbare Ebene. Doch das macht noch nicht die Stärke und Originalität von Sailstorfers Arbeiten aus. Denn in all seinen Arbeiten schwebt auch ein ungemein poetischer Geist.
     
Wenn Johann König einkaufen geht, hat er keinen Einkaufszettel dabei, er verlässt sich auf sein Bauchgefühl. Das letzte Mal hatte er dieses Gefühl in London, auf der Frieze Art Fair. Er stand vor einem Werk der britischen Künstlerin Helen Marten – und es irritierte ihn. Irritation ist ein gutes Gefühl bei Johann König. Es bedeutet, dass ihn ein Werk überrascht, dass er es spannend findet. Und dass er es in seiner Galerie haben möchte.   Ein Gefühl für Sentiment, das nicht konstruiert oder kalkuliert ist, sondern das integraler Bestandteil der Werke selbst ist und vom Künstler mit absoluter Sicherheit erspürt wird. Selbst sein Lehrjahr am Goldsmiths College in London, einer der Kaderschmieden für theorielastiges künstlerisches Arbeiten, hat Sailstorfer von diesem Weg nicht abgebracht, im Gegenteil, vielleicht sogar weiterhin bestärkt. Nahezu erleichtert erkennen wir, dass sich dieser Künstler nicht in den Wirren einer hochkomplexen, selbstreferenziellen, formalästhetischen Objektanordnung verliert, sondern sich als praktischer Träumer in der beseelten Welt der Dinge erweist. Es sind das Aufblitzen der Sehnsucht bei der Zielsetzung, die melancholische Komik der Umsetzung und die bewusste Tragik im Moment des Erreichens der Ziele, die die Arbeiten von Sailstorfer so außerordentlich machen.
     
Johann Königs Galerie, die so heißt wie er selbst, vertritt rund 20 Künstler, vor allem junge, die international noch nicht sehr bekannt sind. König baut sie dann auf, so wie Helen Marten aus London.   Ich bin manchmal streichen gegangen oder habe auf dem Bau gearbeitet. Auftragsarbeiten habe ich nicht gemacht. Es gab allerdings auch keine Anfragen.
     
Weil ihre Bilder dieses Bauchgefühl in ihm ausgelöst hatten, begleitete er die Arbeit der 27-Jährigen, lernte die Frau Helen Marten besser kennen und schaute sich andere Werke von ihr an. Anschließend lud er sie zum Galeriewochenende nach Berlin ein. Mit Erfolg: Im Anschluss bekam Marten das Angebot für zwei Einzelausstellungen, eine in der Kunsthalle Zürich, die andere in der Chisenhale Gallery in London. Königs Bauchgefühl, es war richtig. „Im Prinzip bin ich Einzelhändler“, sagt König. „Ich baue Künstler auf, verkaufe ihre Werke und finanziere damit deren Lebensunterhalt, den meiner Angestellten und meiner Familie – und zudem die nächsten Projekte.“   Michael Sailstorfer ist erst 29 Jahre alt und verdient mit Kunst bereits den Lebens¬unterhalt. Er verwandelt Gegenstände des Alltags und gibt ihnen einen neuen Sinn. So wurde aus einem grün-weißen Polizei¬auto ein Schlagzeug und aus einem alten Schulbus ein Museum. „Prinzipiell geht es um die Arbeit", sagt Sailstorfer. Aber auch ein Künstler müsse wissen, was am Markt passiert. Er jedenfalls weiß es.
     
Eines seiner nächsten Projekte hat eine Dimension, die Staunen macht. Der Galerist hat die Kreuzberger Kirche St. Agnes erworben samt Sakristei, Kapelle, Turm und Gemeindezentrum, ein denkmalgeschützter Bau aus den Sechzigern von Werner Düttmann, den die katholische Kirche nicht halten konnte. Der knapp 800 Quadratmeter große Kirchenraum soll in eine Ausstellungshalle für Königs Künstler umgewandelt, das Gemeindezentrum mit Wohnungen von Pfarrer, Küster und Kaplan an andere Galerien und Gastronomie vermietet werden. Allein die Sanierung kostet drei Millionen Euro. Die Eröffnung ist im Frühjahr 2013 geplant. Nach dem Umbau der einstigen Jüdischen Mädchenschule in der Auguststraße nach einem ähnlichen Konzept durch den Galeristen Michael Fuchs macht König so den nächsten großen unternehmerischen Schritt eines Berliner Galeristen, der Kunstgeschäft und Gastronomie unter einem Dach verbindet.  
 
     
Dass Berlin eine Weltstadt für junge, zeitgenössische Kunst ist, zeige etwa die Biennale in Venedig, sagt Daniel von Schacky. „Der Prozentsatz der Künstler, die dort ausgestellt sind und die in Berlin leben, ist extrem hoch.“ Wenn man in Neukölln oder Wedding durch die Ateliers ziehe, merke man, dass wahnsinnig viele ausländische Künstler inzwischen in Berlin leben, sagt von Schacky. In anderen deutschen Städten, vermutet er, würde das nicht so funktionieren. „Dort sind die Mieten oftmals zu hoch. Die niedrigen Preise haben Künstler und Sammler nach Berlin gelockt.“  
Elektrosex - 2005

streetlights, electric components
600 x 520 x 25 cm / 236 1/4 x 204 3/4 x 9 3/4 in

Installation view: Light Lab, Museion, Bolzano, 2005.

One of the streetlight produces a high voltage. If the voltage exceeds more than 90.000 volts, it creates a lightning that jumps to the other streetlight. Then they both start to flicker.
     
Auch Johann König ist Wahlberliner: „Ich wollte nach Berlin, weil ich das Gefühl hatte, dass es hier das meiste internationale Publikum gibt“, sagt König. Als er kam, hatte er 20.000 Euro im Gepäck, geliehen von seinem Onkel, denn den beantragten Kredit hatte ihm die Bank verwehrt. Er habe sich dann so durchgeschlagen, sagt König. „Es war knapp, aber es hat geklappt.“ In New York oder London wäre das wohl nicht so gegangen. Durchschlagen, diese Art zu leben scheint nicht zu einem wie Johann König zu passen. Seine Familie ist wahrscheinlich Deutschlands wichtigster Kunst-Clan. Kaspar König, der Vater, leitet das Museum Ludwig in Köln. Einem der Brüder, Walther, gehören die gleichnamigen Kunstbuchhandlungen. Längst ist auch Johann König erfolgreich, seine Galerie ist eine der umsatzstärksten in Berlin.    




Ein vernünftiger Preis ist ein realistischer Preis, der in einem anständigen Verhältnis zu Material, Größe der Arbeit, Aufwand und zu Preisen von Künstlern, die ähnlich arbeiten, steht. Da gibt es viele Faktoren





















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